Demokratisches Tunesien (II): Terrorziel, aber zur Freiheit entschlossen – Tunisie démocratique (II): terrorisée, mais résolue pour la liberté

Des roses déposées sur une tache de sang au lendemain de l'attaque du musée d Bardo, le 19 mars 2015
Vor dem Bardo-Museum, am Tag nach dem Attentat
Des roses déposées sur une tache de sang au lendemain de l’attaque du musée d Bardo, le 19 mars 2015 à Tunis
afp.com – Fadel Senna

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Deutsche Texte AFP: Von mir verbesserte Google-Übersetzungen

Das Attentat, IS, Libyen 3 Artikel LESEN
1. Tunesien: 21 Tote bei Anschlag auf Museum in Tunis
18. März 2015, 22:25 http://derstandard.at/r652/Afrika
38 weitere Menschen verletzt – Premier: Angriff auf Tourismus und Wirtschaft – Suche nach Komplizen
Tunis – Bei einem Angriff auf das Bardo-Nationalmuseum in der tunesischen Hauptstadt Tunis sind nach Angaben der Regierung 21 Menschen getötet worden. Unter den Opfern seien fünf Japaner, vier Italiener, zwei Kolumbianer, ein Franzose, ein Pole, ein Australier sowie ein Spanier, sagte Tunesiens Regierungschef Habib Essid am Abend im Fernsehen.
Insgesamt seien 17 ausländische Touristen gestorben. Über die Nationalität der beiden anderen ausländischen Opfer machte er zunächst keine Angaben. Zudem seien ein Polizist, ein tunesischer Zivilist und zwei Angreifer umgekommen.
Nach Angaben des Ministerpräsidenten waren die Angreifer in Militäruniformen gekleidet. Sie hätten das Feuer auf die Touristen eröffnet, während diese aus einem Bus stiegen, und sie dann in das Innere des Gebäudes getrieben. Dieses liegt direkt neben dem Parlament. Dabei starben mindestens acht Zivilisten. Ob die übrigen Opfer bei dem Anschlag oder bei der gewaltsamen Beendigung der mutmaßlichen Geiselnahme getötet wurden, war zunächst nicht klar.
Nach dem Anschlag fahnden die Behörden nach zwei bis drei möglichen Komplizen der beiden getöteten Attentäter. Es bestehe die “Möglichkeit”, dass den beiden Angreifern geholfen worden sei, sagte Essid am Mittwoch in einer Rede, die vom tunesischen Fernsehen übertragen wurde. Daher gebe es derzeit “ausgedehnte Sucheinsätze, um die zwei oder drei Terroristen zu identifizieren”.
38 Menschen verletzt
Essid äußerte sich auch nicht dazu, ob die Angreifer die Touristen als Geisel nehmen wollten. Laut Gesundheitsminister Said Aidi wurden zudem 38 Menschen verletzt, unter ihnen Urlauber aus Frankreich, Südafrika, Polen, Italien und Japan. Das Außenministerium bestätigte, dass es wohl keine Österreicher unter den Todesopfern gebe.
Nach Angaben des Sprechers des Innenministeriums, Mohammed Ali Aroui, hielten sich zum Zeitpunkt des Anschlags etwa hundert Touristen in dem Museum auf. Nach vier Stunden gelang es den Sicherheitskräften, den Angriff zu beenden. Ein Großteil der Touristen wurde in Sicherheit gebracht. Das Nationalmuseum ist in einem ehemaligen Palast aus dem 19. Jahrhundert untergebracht. Es verfügt über die weltweit größte Sammlung römischer Mosaiken.
Nach den Schüssen wurde der Parlamentsbetrieb eingestellt, und die Abgeordneten wurden aufgefordert, sich in der Versammlungshalle einzufinden, wie eine Abgeordnete der Ennahda-Partei sagte. Es habe eine “riesige Panik” geherrscht, berichtete eine weitere Abgeordnete, Sayidab Ounissi, über den Kurzbotschaftendienst Twitter. Nach ihren Angaben fand gerade eine Anhörung über Tunesiens Antiterrorgesetz statt, als die Schüsse fielen.
Die Angreifer hätten den Tourismus und die Wirtschaft des Landes treffen wollen, sagte Essid. Die Terrorattacke sei ein Ergebnis der Erfolge, die die Sicherheitskräfte gegen den Terrorismus im Land erzielt hätten. Zu dem Angriff auf das benachbarte Museum bekannte sich zunächst niemand. Präsident Beji Caid Essebsi sagte später der Nachrichtenagentur AFP, sein Land habe alle nötigen Maßnahmen ergriffen, damit derartige Angriffe nicht wieder passierten.
Bedrohung
EU-Ratspräsident Donald Tusk betonte, dass “die EU und Tunesien sich nicht vom Terrorismus einschüchtern” lassen würden. “Wir sind bereit, die tunesische Regierung in ihren Maßnahmen gegen gewalttätigen Extremismus zu unterstützen.”
UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hat den Terroranschlag scharf verurteilt. Die Attacke sei “beklagenswert”, sagte Ban laut Mitteilung am Mittwoch. Den Angehörigen der Opfer sprach der UN-Chef sein Beileid aus. Die Vereinten Nationen seien solidarisch mit den Menschen und den Behörden in Tunesien, sagte Ban weiter.
Auswärtiger Dienst korrigiert Mogherini
Der Auswärtige Dienst der EU zog unterdessen eine Mitteilung zurück, wonach EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini den “Islamischen Staat” (IS) für die Tat verantwortlich mache. In ihrer Aussage habe sie von “Terrororganisationen” gesprochen, ohne speziell den IS zu erwähnen, heißt es laut der Nachrichtenagentur Reuters.
Nach Erkenntnissen der tunesischen Behörden haben sich 3.000 Bürger des nordafrikanischen Staates der Gruppe angeschlossen. Es gab bereits Befürchtungen, dass einige zurückkehren und Anschläge verüben könnten.
Frankreichs Premierminister Manuel Valls verurteilte den “Terrorangriff auf das Schärfste”. Der neue Angriff “zeigt leider ganz grausam, unter welch großer Bedrohung wir alle in Europa, im Mittelmeerraum und der ganzen Welt stehen”, sagte Valls. Präsident François Hollande drückte in einer Botschaft an Tunesien die Solidarität Frankreichs aus.
Tunesien war das Land, in dem Ende 2010 der Arabische Frühling begonnen hat. Im Gegensatz zu vielen anderen arabischen Staaten machte Tunesien eine politische Entwicklung durch, die international vielfach gewürdigt wurde. Gewalt, Repressionen und Gesetzlosigkeit blieben im Vergleich zu vielen anderen arabischen Ländern eher Ausnahmeerscheinungen.
Allerdings erlebte die bewaffnete Jihadistenbewegung seit der Revolution einen Aufschwung. Seither wurden rund 60 Polizisten und Militärs bei Zusammenstößen getötet, die meisten an der Grenze zu Algerien, wo eine mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbündete Gruppe aktiv ist. (APA/Reuters, 18.3.2015)

Tunesien kommt nicht zur Ruhe
Auch gut vier Jahre nach dem Beginn des Arabischen Frühlings und dem Sturz des autoritären Machthabers Zine El Abidine Ben Ali kommt Tunesien nicht zur Ruhe. Am Mittwoch verübten bewaffnete Angreifer einen blutigen Anschlag auf das Nationalmuseum in Tunis, der dem Tourismussektor des nordafrikanischen Landes einen schweren Schlag versetzt. Ein Überblick:
17. Dezember 2010: Der Gemüsehändler Mohamed Bouazizi zündet sich an, weil er sich von den Behörden seiner Lebensgrundlage beraubt sieht. Die Verzweiflungstat gilt als Auslöser der folgenden landesweiten Massenproteste.
14. Jänner 2011: Unter dem Druck der Massenproteste flieht der seit 23 Jahren amtierende Präsident Zine El Abidine Ben Ali nach Saudi-Arabien.
25. Februar 2011: Regierungsfeindliche Proteste zwingen Ministerpräsident Mohamed Ghannouchi, den letzten aus der Ära Ben Ali, zum Rücktritt.
27./28. Oktober 2011: Nach Bekanntgabe der Ergebnisse der ersten freien Wahlen erschüttern gewaltsame Unruhen die Stadt Sidi Bouzid. Die islamistische Ennahda-Partei geht als Sieger aus dem Urnengang hervor.
14. September 2012: Vier Menschen werden bei gewaltsamen Protesten vor der US-Botschaft gegen einen islamkritischen Film getötet.
6. Februar 2013: Der prominente Oppositionsführer Chokri Belaid wird erschossen. Das Attentat führt erneut zu schweren Unruhen, der islamistische Ministerpräsident Hamadi Jebali tritt als Konsequenz zurück.
25. Juli 2013: Ein weiterer Oppositionsführer, Mohamed Brahmi, wird erschossen. Auch hinter diesem Attentat werden islamistische Extremisten vermutet.
2. August 2013: Die Streitkräfte starten eine Offensive gegen islamistische Aufständische am Berg Chaambi an der Grenze zu Algerien.
4. Februar 2014: Der mutmaßliche Mörder Belaids wird bei einer Polizeirazzia getötet. Er ist einer von sieben schwer bewaffneten Extremisten, die bei dem Einsatz erschossen werden.
16. Juli 2014: Am Berg Chaambi an der Grenze zu Algerien töten Jihadisten 15 Soldaten. Es ist der tödlichste derartige Angriff in der Geschichte der tunesischen Streitkräfte.
21. Dezember 2014: Der anti-islamistische Politikveteran Beji Caid Essebsi gewinnt die erste freie Präsidentschaftswahl in Tunesien.
18. März 2015: Bei einem Anschlag schwer bewaffneter Angreifer auf das Nationalmuseum von Bardo in Tunis sterben mindestens 21 Menschen, unter ihnen 17 Touristen aus Deutschland, Polen, Italien und Spanien. (APA)


2. IS bekennt sich zu Anschlag in Tunesien

Die tunesischen Behörden haben im Zusammenhang mit dem Angriff aus das Nationalmuseum neun Verdächtige festgenommen. Die Terrormiliz “Islamischer Staat” übernimmt die Verantwortung für den Anschlag mit 23 Toten.
http://www.dw.de/is-bekennt-sich-zu-anschlag-in-tunesien/a-18328494

3. Tunesien: die Täter des Angriffs wurden in Libyen ausgebildet
2015.03.20 um 09:00 Uhr – AFP
Die beiden Autoren des Angriffs auf das Bardo-Museum in Tunis wurden im Gebrauch von Waffen in Libyen ausgebildet, so der tunesische Staatssekretär für Sicherheitsfragen.
Diese “zwei Elemente sind salafistische takfiris Extremisten. Sie verließen das Land im vergangenen Dezember heimlich nach Libyen und haben sich dort an Waffen ausgebildet”, vor der Rückkehr nach Tunesien, sagte Rafik Chelly Donnerstagabend im Privatsender AlHiwar Ettounsi.
“Wir haben nicht die Details, aber es gibt Trainingslager (in Libyen) für Tunesier in Sabratha, Benghazi und Derna, sie waren in einem dieser Lager” fügte er hinzu.
Die beiden Angreifer wurden von den Behörden als Yassine Abidi und Hatem Khachnaoui identifiziert. Laut Herrn Chelly war Yassine Abidi festgenommen worden, bevor er nach Libyen ging, ohne näheres.
Die beiden Männer waren “verdächtige Elementen” innerhalb “der sogenannten Schläferzellen aus Elementen in den Städten. Sie sind bekannt. Wir wissen, sie sind takfiris, wir wissen, sie können Operationen durchführen, aber wir müssen Anhaltspunkte sammeln, um eine Festnahme durchzuführen”, argumentierte der Leiter.
© 2015 AFP

Annex: UN werfen IS-Terroristen Völkermord vor
Massaker an Jesiden, Mord an Christen und Schiiten, Folter und sexuelle Versklavung: Alles Verbrechen, die dem IS vorgeworfen werden. Die UN fordern, den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag einzuschalten.
http://www.dw.de/un-werfen-is-terroristen-v%C3%B6lkermord-vor/a-18324690

Aufrufe zur nationalen Einheit nach dem Attentat LESEN
Tunesien: Aufrufe zur nationalen Einheit nach dem Angriff auf das Bardo Museum
2015.03.19 11:00 – Von Antoine Lambroschini – AFP
Aufrufe zur nationalen Einheit wurden Donnerstag in Tunesien lanciert, das unter dem Schock des Attentates auf das Bardo-Museum zu Beginn der touristischen Saison steht.
Diese Aufrufe wurden von der Presse und der Zivilgesellschaft weitergeleitet, aber auch von der Opposition.
“Institutionen des Staates, die Zivilgesellschaft, Medien und Bürger sind aufgerufen, wie ein einziger Mann zu handeln, um die Interessen des Landes über politische, parteiliche oder ideologische oder korporatistische Erwägungen zu stellen”, meint die Tageszeitung La Presse.
Mehrere hundert Menschen versammelten sich am Mittwochabend im Zentrum von Tunis, um das Attentat anzuprangern, und schrien “Tunesien ist frei, Terroristen raus!”
Die größte Gewerkschaft des Landes UGTT rief auf, “die Kräfte des Volkes und alle staatlichen Organe zu mobilisieren , um den … rundum den Krieg zu erklären”. Der Führer der islamistischen Partei Ennahda Rached Ghannouchi nannte sich überzeugt, dass “das tunesischen Volk vereint sein wird im Angesicht der Barbarei.”
© 2015 AFP
Portraits zweier Mörder “wie Du und ich” LESEN
1. Jabeur, ein einsamer Oberschüler, der zum Mörder im Bardo-Museum wurde
2015.03.20 16:30 – Durch Ameur Nasri – AFP
Jabeur Khachnaoui, einer der beiden Mörder im Bardo-Museum, war ein frommer junger Gymnasiast, einsam und ohne Geschichten, bis zu seinem Überraschungsaufbruch nach Libyen und möglicherweise Irak, sagt einer seiner Verwandten in einem Interview mit AFP.
Das interviewte Mitglied der Familie möchte nicht identifiziert werden, zumal die beiden Brüder von Jabeur, Mourad und Maher, und seine Schwester Lubna und sein Vater Ezzedine in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag festgenommen wurden.
Geboren im Jahr 1994 in “Zahar Ibrahim”, einem Dorf in der Region von Kasserine nahe der algerischen Grenze, lebte Jabeur Khachnaoui eine einsame Kindheit in einer frommen und, ohne arm zu sein, bescheidenen Familie.
Sein Vater betreibt ein kleines Ackerland, das der Familie ein relativ komfortables Leben ermöglicht.
Ihr Haus mit mehreren Zimmern ist ordentlich, hat fließendes Wasser und Strom, sieht eine Journalistin von AFP.
Der Interviewte versichert, dass die gesamte Bevölkerung des Dorfes sehr religiös ist und einige “hardliner” dort leben, allerdings ohne Salafis zu sein.
Jabeur machte seine Rückkehr in die Schule im September 2014 ohne Geschichten und sollte sein Abitur am Ende des Schuljahres machen. Das erste Quartal verlief ohne Zwischenfälle.
Auch seine drei Onkel arbeiten dort: einer lehrt Philosophie, der andere ist Professor für Sport und der letzte ist General Supervisor.
Für seinen Teil spielte Jabeur während der Gebete die Rolle des Imam für seine Kameraden, aber seine Predigten wurden nie wegen “Extremismus” gemeldet. Kein Schüler hatte offenbar eine Abdrift des jungen Mannes berichtet.
Laut dem Mitglied seiner Familie verschwand er plötzlich im Dezember, und seine Eltern erfuhren kurz darauf, dass er in Libyen sei, was das tunesische Innenministerium bestätigte.
Außerdem kontaktierte Jabeur seine Verwandten von einem irakischen Telefon aus, und sein Vater benachrichtigte die Polizei, dass ihr Sohn vielleicht in diesem Land sei.
Tausende junger Tunesier kämpfen laut den Behörden in den Reihen der Dschihadisten in Syrien, Irak und Libyen.
Schließlich stand Jabeur seiner Schwester Lubna besonders nah, ihr vertraute er seine Geheimnisse. So bezahlte er ihr eine Augenoperation, die 5000 Dinar (€ 2.300) kostete, ein Vermögen für die meisten Tunesier und noch mehr in diesem benachteiligten Gebiet, erzählt der Verwandte gegenüber AFP.
© 2015 AFP

2. Tunesien: Yassine, ein “Lebemann”, der zu einem Mörder im Bardo wurde
22/03/2015 19:30 – Von Kaouther LARBI – AFP
Noch im Schock, kann der Bruder von Yassin Laabidi, einer der beiden Angreifer des Bardo-Museums in Tunis, nicht erklären, wie dieser Junge von 27 Jahren “warmherzig, schöner Junge und freundlich” Unschuldige töten konnte.
“Ich begreife noch nicht, dass mein Bruder tot ist, er ist in dieser Geschichte beteiligt war, die ganze Familie ist fassungslos. Yassin war ein liebenswerter, freundlicher, gut aussehender, intellektueller junger Mann, der nichts gemeinsam hatte mit” den Dschihadisten, sagte sein Bruder gegenüber AFP.
“Es ist ein Schock, ein Schock, ein großer Schock! Ich kann es überhaupt nicht verstehen”, sagte der stämmige Mann, der nicht will, dass sein Name veröffentlicht wird.
Yassine Laabidi –Abidi laut der Behörden– wurde von der Polizei als einer der beiden Mörder identifiziert, zusammen mit Jabeur Khachnaoui..
Nichts, nach seiner Familie, gab Hinweis auf den extremistischen Abdrift dieses jungen Mannes, der in jeder Hinsicht gut war, aus einer Familie der Mittelklasse.
Außerdem lebte er mit seinen Eltern, Schwester und Bruder im Viertel Omran im Großraum Tunis, ohne dass jemand Verdacht schöpfte.
Dieser Junge mit feinen Gesichtszügen hatte 4 Semester Französisch an der Universität studiert, bevor er aufgab und in einem Versandunternehmen in Tunis als Kurier arbeitete.
– “Er trank, rauchte und hatte eine Freundin” –
“Mein Bruder war ein Lebemann, er liebte sich gut zu kleiden und auch von Freunden und Familie umgeben zu sein, hatte er keine Komplexe, lachte mit allen, auch mit seinen Freunden beim saufen”, ergänzt er.
Als Yassine vor drei Jahren begann, mehr Aufmerksamkeit auf die Religion zu setzen und zu beten – kurz nach der Revolution vom Januar 2011 und der Aufhebung der Mauer des Schweigens über religiöse Diskurse– liess er nie besonderes Interesse für extremistische Strömungen durchscheinen.
Es isolierte sich nicht und liebte es, seine Abende mit Familie bei Filmen und TV-Dokumentationen zu verbringen.
Yassine verließ das Elternhaus einmal, im Dezember 2014 für 27 Tage Er sagte, er ging nach Sfax, im Süden Tunesiens.
Aber jetzt fragen sich seine Eltern über sein eigentliches Ziel: die Behörden versichern, dass er in Libyen war für die Ausbildung an Waffen.
Und sein Cousin Walid sagte AFP, dass Yassin ihm eine andere Version gegeben hatte: er war mit der Familie seiner Freundin, eine Amerikanerin irakischer Herkunft, nach Djerba gefahren, Touristen-Mekka am Meer.
“Bevor er begann zu beten, lebte Yassin seine Jugend aus, er trank, er rauchte und er hatte eine Freundin”, sagte Walid.
– Gehirnwäsche von ‘Abschaum’ –
Yassines Bruder stimmt in diesem Sinne..
“Er ist zu 100% ein Opfer, ein Opfer der Gehirnwäsche, giftigen Ideen, diesem Abschaum, der im Namen der Religion die jungen Menschen in den Tod schickt, gepflegte jungen Menschen, die Sicherheitskräfte, Ärzte, Rechtsanwälte werden könnten”, betont er.
Am Tag des Angriffs verfolgte der große Bruder von Yassine die Ereignisse im Fernsehen, ohne nichts zu ahnen.
“Mit Blick auf was los war im Museum, verfluchte ich die Mörder und behandelte sie mit allen Namen, ohne zu denken, dass mein Bruder beteiligt war”, sagt er.
Aber am späten Nachmittag kommt die Polizei an die Tür klopfen, um die Verwandten Yassines zu befragen.
“Die ganze Familie ist ein Opfer (…) Wir zahlten die Rechnung sehr, sehr teuer, da wir das Beste unserer Familie verloren haben”, klagt Bruder.
“Ich sage allen Tunesier, dass jede Familie ihren Sohn dadrin verwickelt sehen könnte (…) Niemand ist da ausgespart”.
“Wir wollen Yassine den Menschen begraben. Den, der betet und Freunde hat. Diesen Yassine, wir wollen nicht Yassine, das Produkt dieses Verrottung, dieser Pest, begraben.”
© 2015 AFP

Pressestimmen LESEN
1. Tunesien, “das Land, das die Dschihadisten fürchten”, so die Presse
2015.03.20 um 09:00 Uhr – AFP
Nach dem Angriff Mittwoch auf das Bardo-Museum in Tunis erinnerte die französische Presse am Freitag, dass Tunesien, die junge Demokratie, “das Land ist, das die Dschihadisten erschreckt.”
“Tunesien hat alles, um den Dschihadisten zu missfallen” erinnert Le Monde in ihrem Leitartikel mit dem obigen Titel.
“Tunesiens bedroht sie durch das, was es darstellt. Es ist das Gegen-Modell, das man abschießen muss. Es beweist, dass Demokratie vollkommen kompatibel ist mit einem Land mit der islamischen Kultur. Unzulässig für die islamistische Nebelwolke”, analysiert Le Soir.
“Das Land, aus dem eines der größten Kontingente der ausländischen Dschihadisten im Irak und in Syrien kommt, wird aufgefangen durch den Terrorismus”, so die Liberation. Elodie Auffray berichtet, dass die “wachgerüttelten” Tunesier “sich kämpferisch zeigen.”
Für seinen Teil sagt Le Figaro: “Der IS wollte die ‘schurkischen Kreuzzügler’ bestrafen”. Sein Sondergesandter Thierry Porte weist darauf hin, dass “die politische Klasse und die tunesische Zivilgesellschaft im Block marschierten am späten Donnerstagnachmittag vor dem Bardo, um ihre Ablehnung des radikalen Islam zum Ausdruck bringen.”
In L’Est Republican erinnert Alain Dusart an die letzte tunesischen Werbekampagne, um den Tourismus anzukurbeln: “Tunesien, frei, um alles zu leben.” “Die Kühnheit dieses Textes terrorisiert die Terroristen …”, schreibt der Kolumnist.
“Unbedeutend die Namen, Alter, Herkunft und sogar die Orte, wo ihr Schicksal erschütterte, egal, ob sie karikierten, ein Museum besuchten (…), unabhängig davon, ob sie beteten und zu welchem Gott, oderob sie nicht beteten, sie alle haben für immer das gleiche Gesicht: sie bilden eine durchschlagende Bruderschaft, die der Opfer “, rezitiert von Jean-Claude SOULERY in La Depeche du Midi.
“Dies sind die gleichen Opfer desselben Terrors, nennen wir ihn Islamo-Faschismus – weil dieser Ausdruck das Verdienst hat, uns die Tatsachen mitzuteilen”, fügte er hinzu.
“Ich bin Tunesier”, ruft David Guévart, Courrier Picard, für den “die Engelhaftigkeit mit diesen verrückten Killern lange genug gedauert hat.”
© 2015 AFP

2. Nach dem Anschlag Terror bedroht Freiheit in Tunesien
Tunesiens Entwicklung nach dem Arabischen Frühling galt vielen als beispielhaft. Nun wird das Land von Terror erschüttert. Zu dem Anschlag mit 23 Toten hat sich die Terrormiliz IS bekannt. Tunesiens Weg in die Freiheit scheint gefährdet.
Von Alexander Göbel, ARD-Hörfunkstudio Nordwestafrika
http://www.tagesschau.de/ausland/tunis-terror-109.html

Krieg gegen Kultur? LESEN
Tunesien – Angriff auf die Vielfalt
Deutsche Welle 18.03.2015 http://www.dw.de/search/german/tunesien/category/9077/
In Tunesiens Hauptstadt haben Terroristen das Nationalmuseum angegriffen und ein Blutbad angerichtet. Nach den Angriffen des “IS” auf antike Stätten im Irak könnte auch die Attacke von Tunis kulturell motiviert sein.
Venusstatue im Bardo-NationalmuseumVenusstatue im Bardo-Nationalmuseum
Die beiden antiken Masken, die das Nationalmuseum von Tunis ganz vorne auf seiner Website präsentiert, haben zumindest dieses Mal ihren Dienst versagt. Die mesopotamisch inspirierten Arbeiten aus dem späten sechsten Jahrhundert vor Christus, die im nahegelegenen Karthago einst böse Geister abwehren sollten, konnten das Attentat nicht verhindet. Von ihrem Lächeln ließen sich die Terroristen, , nicht abhalten. Ihr Angriff auf das Areal, auf dem sich auch das tunesische Parlament befindet, kostete 17 Touristen das Leben. Insgesamt seien 19 Menschen umgekommen, berichtet die Regierung, die die Zahlen im Laufe des Tages nach unten korrigieren konnte. Mehrere Personen seien verletzt worden.
Noch ist unklar, welcher Institution der Angriff galt: dem Parlament oder dem Museum – oder vielleicht beiden zugleich. Nach den Angriffen auf die antiken Kunstschätze im Museum von Mossul liegt es aber nahe, den Angriff auch als einen auf die kulturelle Vergangenheit Tunesiens zu sehen. Dies umso mehr, als die Behörden des Landes seit längerem mit der Rückkehr tunesischer Dschihadisten rechnen, die im Irak und in Syrien in den Reihen des “Islamischen Staats” gekämpft haben. Der “IS” hatte sich zu den Angriffen auf das antike Erbe des Iraks bekannt.
Treffen die Vermutungen der tunesischen Behörden zu, dann nehmen die Terroristen mit ihrem Anschlag die Spuren einer einzigartigen multikulturellen Vergangenheit ins Visier. Es wäre ein Anschlag auf die vielfältige Kultur des “weißen mittleren Meeres”, wie das Mittelmeer auf Arabisch genannt wird. Ein Meer, das die Länder an seinem südlichen und nördlichen Ufer trennt, und zugleich verbindet.
Reiche Kultur des Mittelmeers
Kaum irgendwo dokumentiert sich der verbindende Charakter des Mittelmeers so eindrücklich wie im Bardo-Museum. Es besitzt neben dem ägyptischen Museum in Kairo die wohl umfassendste archäologische Sammlung in Nordafrika. Dort sind die Relikte sämtlicher Zivilisationen, die sich auf tunesischem Boden befunden haben, ausgestellt. Zu den ältesten Hinterlassenschaften zählen Schindeln und steinerne Keile aus Aïn Brimba im Süden Tunesiens, angefertigt vor rund 4000 Jahren. Ebenso findet sich dort auch die Kultstätte von El Guettar.
Aus punischer Zeit bewahrt das Museum mehrere beschriftete Steinplatten auf, auf denen die Vereinbarungen Karthagos mit anderen Mittelmeermächten festgehalten sind. Sie dokumentieren Beziehungen der nordtunesischen Stadt zu Griechen, Römern und den Phöniziern – den Angehörigen eben jener Kultur, aus denen die Bewohner Karthagos einst hervorgegangen sind. Um 500 vor Christus angefertigte Masken lassen ebenfalls griechische, aber auch mesopotamische, ägyptische und schwarzafrikanische Einflüsse erkennen. Aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus entstammen die Überreste eines ehemals in Dougga im Nordwesten Tunesiens gelegenen Heiligtums, das punische und altlibysche Inschriften aufweist.
Zu den Hauptattraktionen des Bardo-Museums zählt die weltweit bedeutendste Sammlung römischer MosaikZu den Hauptattraktionen des Bardo-Museums zählt die weltweit bedeutendste Sammlung römischer Mosaiken
Die aus dem ersten Jahrhundert vor Christus stammenden Stelen von La Ghorfa wiederum spiegeln die synkretistische Kultur Nordafrikas zur Zeit der Römer, die Karthago 146 vor Christus eroberten und zerstörten. Zahlreiche Büsten römischer Eroberer erinnern an den siegreichen Feldzug der damals stärksten Macht am Mittelmeer. Zu den Hauptattraktionen des tunesischen Nationalmuseums zählt die weltweit bedeutendste Sammlung römischer Mosaiken. Auf ihnen finden sich die unterschiedlichsten Motive: städtisches und ländliches Leben, Jagdszenen, Stier- und Gladiatorenkämpfe, aber auch kultische Handlungen. Auch christliche Motive sind auf einigen der Mosaike erhalten.
Aus islamischer Zeit stammen mittelalterliche Kalligraphien, deren bekannteste der “Blaue Koran” aus Kairouan aus dem frühen zehnten Jahrhundert ist. Von kulturellem Feinsinn des frühen Islam zeugen auch die zahlreichen erhaltenen Instrumente – so etwa Tambourine, Violinen sowie mehrere Exemplare der arabischen Laute, der oud.
In der Vielfalt seiner Exponate umfasst das Nationalmuseum jenen kulturellen Reichtum, dessen Untergang in der jüngeren Vergangenheit des Landes der tunesische Historiker und Islamwissenschaftler Hichem Djaït immer wieder beklagt hatte. Die arabische Welt, schrieb er in seinem berühmt gewordenen Buch “Die Krise der islamischen Kultur”, habe einen umfassenden Zerstörungsprozess durchlaufen. Dadurch haben sie den Kontakt zu ihrer jüngeren Vergangenheit verloren. Und eben darin unterscheide sie sich vom Westen, der diesen Kontakt immer gepflegt habe. Verantwortlich dafür macht er die islamistischen Strömungen der Region. “Die islamistische Bewegung hat weder eine tiefe religiöse Vorstellung, noch ist sie kulturell und intellektuell durch den Islam geprägt – dazu sind ihre intellektuellen Fähigkeiten schlicht zu schwach.”
Wozu sie fähig ist, haben die mutmaßlich dschihadistischen Attentäter mit dem Anschlag in Tunis bewiesen. Dort starteten sie einen Angriff auf die Hinterlassenschaften all jener Kulturen, die es in ihren Augen vermutlich nie hätte geben dürfen.
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1. Tunesien: Ziel für Dschihadisten
2015.03.19 01:00 – Von Michel Moutot – AFP
Mit dschihadistischen Untergrundkämpfern, einer unkontrollierbaren Grenze zu einem Libyen, das Beute des Chaos geworden ist, und Tausenden jungen Mitbürgern, die auszogen um in Syrien zu kämpfen (und einige sind schon zurück), ist Tunesien ein Ziel für die bewaffneten Islamisten.
Selbst wenn der gestrige blutige Angriff gegen das Bardo-Museum im Zentrum von Tunis bislang nicht geltend gemacht worden ist, trägt er die Markenzeichen bewaffneter Islamisten, die in den letzten Monaten ihre Drohungen gegen dieses Land und eine seiner Hauptquellen für Devisen, den Tourismus, erhöhten.
Militante Kämpfer mit behaupteter Zugehörigkeit zu al-Qaida im islamischen Maghreb (AQIM) oder Islamischer Staat (IS) sind seit der Revolution 2011, die den Anpfiff des “Arabischen Frühlings” gab, im Untergrund verschanzt in den Bergen in der Nähe der algerischen Grenze. Trotz mehrerer Großoffensiven hat die tunesische Armee es nie geschafft, sie zu entfernen.
Die Verschlechterung der Lage im benachbarten Libyen, wo der Zentralstaat um die Macht kämpfenden Milizen wich – (einige davon offen versammelt um IS)-, wiegt auch auf Tunesien, vor allem da lange Grenze zwischen den zwei Ländern praktisch unmöglich zu kontrollieren ist. In Gebieten, wo Schmuggel oft die einzige Einkommensquelle ist, ist eine geschlossene Grenze undenkbar, vor allem weil es zu lokalen Aufständen führen würde.
“Der Boden, der den Terrorismus fördert, ist Instabilität, mangelnde Herrschaft in Libyen (…) Solange die Situation ist wie sie ist, bleiben wir alle bedroht”, sagte am Mittwoch der tunesische Außenminister Taieb Baccouche.
“Die geografische Nähe erhöht offensichtlich die Risiken”, betonte Anfang März Jamil Sayah, Präsident des tunesischen Observatoriums Allgemeine Sicherheit: es sei notwendig, dass die Länder der Region “eine gemeinsame Strategie definieren, um IS innerhalb der libyschen Grenzen zu ersticken”.
– Ausbildung in Syrien –
Mit in den letzten vier Jahren zwei- bis dreitausend jungen Männern, die in die Reihen der islamistischen Dschihad-Gruppen im Kampf gegen das Regime von Bashar al-Assad in Syrien oder gegen die Regierung in Bagdad, Irak, gingen, stellt Tunesien dort das größte Kontingent ausländischer Kämpfer. Es sind mindestens fünfhundert in das Land zurückgekommen, sagen die tunesischen Behörden, die versuchen, sie unter genauer Beobachtung halten und behaupten, die Abfahrt von mindestens 9.000 anderen Freiwilligen verhindert zu haben.
“Diese djihadistischen Salafi-Gruppen haben die strategische Entscheidung getroffen, junge leute nach Syrien zu senden für deren Vorbereitung, und so und trainieren sie Führungskräfte für einen möglichen Kampf in Tunesien”, sagte gegenüber AFP der tunesische Analyst Slaheddine Jourchi.
Die tunesischen islamistischen bewaffneten Gruppen steigern stetig Zermürbungsoperationen gegen die Sicherheitskräfte.
Im Februar griffen 20 Mann eine Polizeipatrouille nahe der algerischen Grenze aus dem Hinterhalt an und töteten vier Polizisten und beschlagnahmten ihre Waffen.
Und im Oktober verschanzten sich fünf Frauen und zwei Männer einer Dschihad-Zelle in einem Haus etwas außerhalb von Tunis, um einer Verhaftung zu entgehen. Im Angriff wurden fünf Frauen und ein Mann getötet. Nach Angaben der tunesischen Regierung war der andere Mann, der verletzt und festgenommen wurde, ein Mitglied der Ansar Asharia, eine Organisation, die von Tunesien und den Vereinigten Staaten als terroristisch angesehen wird.
Im Dezember bekannte sich der bereits in Frankreich verurteilte französisch-tunesische Boubaker El Hakim bei einer Filmaufnahme in Syrien, wo er sich der IS einreihte, der Ermordung von zwei bekannten tunesischen anti-islamistischen Regimegegnern, Chokri Belaïd und Mohamed Brahmi. “Wir kommen wieder und töten viele von euch”, drohte er. “Sie werden nicht in Frieden leben, solange wie Tunesien nicht das islamische Recht anwendet!”
Für Taieb Baccouche beging Tunesien “vielleicht” die Sünde der Überschätzung nach der erfolgreichen Organisation der Wahlen. “Wir haben die Wachsamkeit etwas vernachlässigt. Sie (die Autoren des gestrigen Attentats Tunis) erinnern uns daran, dass wir immer wachsam sein müssen, denn der Terrorismus kann jederzeit überall zuschlagen” sagte der Leiter der tunesischen Diplomatie.
© 2015 AFP

2. Geiselnahme in Tunesien: Ein Anschlag auf die junge Demokratie
Von Raniah Salloum 18.03.2015 http://www.spiegel.de/thema/tunesien/
Tunesiens Wirtschaft steckt seit Jahren in der Krise, Dschihadisten breiten sich aus. Bei einem Anschlag in der Hauptstadt starben jetzt 21 Menschen, darunter viele Touristen. Für die noch junge Demokratie ist das ein herber Rückschlag.
Fast eine halbe Million Deutsche haben im vergangenen Jahr ihren Urlaub in Tunesien verbracht, beinahe wieder so viele wie vor den Aufständen 2011. Die meisten von ihnen kommen wegen der Strände, manche auch wegen der Ruinen von Karthago, der Altstadt von Kairouan, Djerba, dem archäologischen Bardo-Museum in Tunis.
Doch zwei dieser beliebten Ziele stehen jetzt auch für den Terror:
Im Bardo-Museum erschossen Bewaffnete an diesem Mittwoch, einen Tag vor Tunesiens Nationalfeiertag, 21 Menschen, darunter 17 Ausländer. Unter den Opfern ist mindestens ein deutscher Tourist.
Auf der Insel Djerba rammte 2002 ein mit Treibstoff beladener Lastwagen eine Synagoge. 21 Menschen starben bei der Explosion, darunter 14 deutsche Touristen. Zu dem Anschlag bekannte sich al-Qaida.
Bisher hat sich noch keine Organisation zum Anschlag auf das Bardo-Museum bekannt. Auf Twitter feierten zwar Anhänger des “Islamischen Staates” (IS) die Tat. Doch genauso könnte erneut wieder al-Qaida dafür verantwortlich sein. Al-Qaida in Nordafrika (AQMI) rief erst kürzlich zu Anschlägen in Tunesien auf.
IS und al-Qaida konkurrieren um Anhänger
In Tunesien gibt es sowohl Gruppen, die sich zum IS bekennen, als auch Organisationen, die al-Qaida die Treue halten. In der perversen Logik der Radikalen ist es sogar möglich, dass diese Rivalität unter den Dschihadisten in Tunesien bei dem Anschlag eine Rolle gespielt hat: Eine Gruppe könnte durch das Attentat versucht haben, sich als besonders “attraktiv” für neue Anhänger darzustellen.
Die Lage in Tunesien ist damit heute ganz anders als zum Zeitpunkt der Anschläge von Djerba. Damals gab es in dem Land nur vereinzelt Dschihadistenzellen, obwohl radikale Tunesier bereits zu den Kriegen in Bosnien oder Afghanistan reisten. Inzwischen jedoch gibt es in dem nordafrikanischen Staat eine große gewaltbereite salafistische Bewegung.
Die Dschihadisten sind vor allem in den wirtschaftlich vernachlässigten Gegenden des Landes aktiv – den Vororten von Tunis und den Provinzen im Inneren des Landes. Deshalb war jetzt der Schock für die Tunesier groß, als der islamistische Terror im Zentrum der Hauptstadt zuschlug, wo junge Frauen und Männer gerne die Prachtstraßen entlangflanieren und auf den Terrassen der Cafés Espresso trinken.
Die Dschihadisten haben sich rasant ausgebreitet
“Seit Ende 2012 ist auch in Tunesien Dschihadismus ein manifestes Problem”, warnte vor kurzem die Stiftung Wissenschaft und Politik, ein renommierter außenpolitischer Thinktank in Berlin. Die Sicherheitsprobleme würden bereits die Demokratisierung in dem Land gefährden.
Mehrere Faktoren ermöglichten es den Dschihadisten, sich in dem Land auszubreiten.
Politischer Umbruch: Demokratische Strukturen befinden sich in Tunesien, wo Ende 2010 der Arabische Frühling begann, erst im Aufbau. Der Staat ist geschwächt, auch der Sicherheitsapparat wurde reformiert. Gewaltbereite Gruppen konnten dieses Vakuum nutzen und sich ausbreiten. Die neue islamistische Regierung ignorierte zwei Jahre lang das Dschihadistenproblem, um nicht Teile ihrer Anhängerschaft zu verärgern. Erst als 2013 zwei linke Oppositionspolitiker ermordet wurden, fing die Regierung an, gegen die Radikalen vorzugehen. Inzwischen haben die Islamisten eingewilligt, ihre Macht mit den Säkularen in einer Regierung der nationalen Einheit zu teilen.
Wirtschaftsmisere: Während der politischen Umbrüche 2011 ging der Tourismus zurück, Tunesiens wichtigste Einkommensquelle. Das verschärfte die wirtschaftliche Misere weiter, die bereits ein wesentlicher Grund für die Aufstände war. Die Jugendarbeitslosigkeit beträgt inzwischen rund 40 Prozent. Tunesiens junge frustrierte Männer sind offenbar besonders anfällig für Dschihadismus: Mehr als 3000 Tunesier sind bereits nach Syrien ausgereist – im Pro-Kopf-Vergleich so viele wie aus keinem anderen Land. Rund 500 von ihnen sollen wieder zurückgekehrt sein.
Instabile Nachbarschaft: Tunesien liegt zwischen Algerien und Libyen, zwei Ländern mit großen Islamismusproblemen. Vor allem in den Grenzgebieten kommt es deshalb immer wieder zu Anschlägen. Immer wieder werden zudem Waffendepots entdeckt, die aus den Nachbarländern nach Tunesien geschmuggelt wurden.
Ob der Anschlag auf das Museum von einer kleinen, isolierten Zelle oder einer größeren einheimischen Gruppe ausgeführt wurde, ist noch unklar. Doch die Morde werfen ein Schlaglicht auf Tunesiens Sicherheitslage: Tunesiens Demokratie ist in Gefahr.


3. «Tunesien hat einen grossen Vorteil»

Vincenzo Capodici. Aktualisiert am 19.03.2015 http://bazonline.ch/ausland/naher-osten-und-afrika/
Der Terroranschlag von Tunis und die Bedrohung durch Jihadisten müssen nicht das Ende der jungen Demokratie Tunesiens bedeuten. Einschätzungen von Korrespondent Paul-Anton Krüger.
Der Terroranschlag von Tunis bedroht den Demokratisierungsprozess in Tunesien. Wie werden Politik und Gesellschaft reagieren?
Es gibt zunächst einen Solidarisierungseffekt. In Tunis und anderen Städten sind bereits sehr viele Menschen auf die Strasse gegangen, um gegen den Terror zu demonstrieren. Gleichzeitig hat die Regierung ein hartes Vorgehen angekündigt. Wie weit die Repressionen gehen werden, lässt sich schwer abschätzen. Tunesien führt bereits seit einiger Zeit einen Kampf gegen den Terror. An der Grenze zu Algerien kommt es regelmässig zu bewaffneten Zusammenstössen mit islamischen Terroristen. Trotz Erfahrungen im Kampf gegen Terroristen sind die tunesischen Sicherheitskräfte nicht optimal aufgestellt, um mit diesem Problem fertig zu werden.
Hinter dem Terrorakt stehen Islamisten. Wie stark sind sie in Tunesien?
Schätzungen zufolge kämpfen etwa 3000 Tunesier an der Seite des Islamischen Staates in Syrien und im Irak. Für eine Beteiligung des IS am Terroranschlag von Tunis gab es bis heute Nachmittag keine Anhaltspunkte – inzwischen hat er sich in einer nicht-verifizierten Audio-Botschaft dazu bekannt. In Tunesien bestand schon immer eine relativ starke salafistische und jihadistische Szene. Nach der Revolution von 2011 nutzten radikale Kräfte die neuen Freiheiten, um junge Menschen zu rekrutieren und Strukturen aufzubauen. Von den Islamisten dominierte Vorgänger der amtierenden Regierung stehen in der Kritik, weil sie sich nicht entschieden genug gegen den wachsenden Radikalismus gestellt hatten.
Im Nachbarland Libyen herrschen bürgerkriegsähnliche Zustände, dort ist auch der IS aktiv. Inwiefern ist Libyen eine Bedrohung für Tunesien?
Libyen destabilisiert Tunesien in vielerlei Hinsicht. Ein Problem ist das Einsickern von islamistischen Kämpfern aus Libyen. Ein direkter Zusammenhang zwischen der Situation in Libyen und dem Anschlag in Tunis ist aber nach dem derzeitigen Stand der Erkenntnisse nicht festzustellen.
Gibt es neue Erkenntnisse über die Attentäter von Tunis?
Einer der beiden getöteten Terroristen soll den tunesischen Sicherheitskräften bereits bekannt gewesen sein. Er kann aber nicht einer bestimmten Gruppierung zugeordnet werden. Wie die Behörden heute mitteilten, wollten die Terroristen offenbar in erster Linie das Parlament angreifen. Es ist nicht klar, ob sie spontan die Touristen attackierten, weil etwa Sicherheitsleute vor dem Parlament sie stoppen wollten, oder ob das von Anfang an Teil ihres Plans war.
Was spricht dafür, dass die säkularen Kräfte in Tunesien trotz des Attentats gestärkt werden?
Die letzten Präsidenten- und Parlamentswahlen haben gezeigt, dass die Mehrheit der Tunesier eine säkulare und offene Gesellschaft möchte. Die Tunesier haben ein gutes Gespür: Sie wissen, wogegen sich der Terrorismus richtet. Und sie sind bereit, dem Terrorismus offen entgegenzutreten. Ein Solidarisierungseffekt der Gesellschaft, wie er jetzt festzustellen ist, gab es schon bei früheren Anschlägen von Islamisten, etwa im Jahr 2013 bei den Attentaten auf linke Oppositionspolitiker. Im Vergleich zu anderen Ländern des arabischen Frühlings hat Tunesien gute Voraussetzungen für eine Stärkung der säkularen Kräfte.
Inwiefern?
Tunesien hat einen grossen Vorteil. Es gibt eine Vielzahl von zivilgesellschaftlichen Akteuren, die auf den Zusammenhalt der Gesellschaft hinwirken. Dazu gehören die Kräfte des Nationalen Dialogs, der Gewerkschaftsbund oder auch die Gruppierungen von Menschenrechtsaktivisten, Juristen und Unternehmern.
Es wäre also falsch, von einem Ende der Demokratisierung Tunesiens zu sprechen.
Es besteht keine unmittelbare Gefahr für die Demokratisierung. Tunesien befindet sich allerdings auf einer Gratwanderung. Es geht um die Bekämpfung des Terrors ohne Gefährdung von rechtsstaatlichen Prinzipien und des nationalen Zusammenhaltes. Tunesische Realität ist ein mit zunehmender Härte geführter Kampf gegen den Terrorismus. Realität ist aber auch die Häufung von Festnahmen kritischer Geister. Das zeigt, dass das politische Klima nicht mehr so frei und offen ist, wie es einmal war. (Tages-Anzeiger)

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L’attentat au musé Bardo à Tunis, EI, Libye 3 articles LIRE
1. Carnage dans un musée à Tunis: 19 morts, dont 17 touristes
19.03.2015 à 01:00 – Par Mounir SOUISSI et Kaouther LARBI – AFP
Dix-sept touristes étrangers, dont un Français, et deux Tunisiens ont été tués mercredi en plein Tunis dans une attaque menée par des hommes armés au musée du Bardo, la première à viser des étrangers depuis la révolution tunisienne de 2011.
Cet “attentat terroriste”, selon le ministère de l’Intérieur, touche le pays pionnier du Printemps arabe qui, contrairement aux autres Etats ayant vécu des mouvements de contestation en 2011, a jusqu’ici échappé au chaos et à la répression.
L’attaque, qui a duré environ quatre heures, n’a pas été encore revendiquée. Deux assaillants ont été abattus et une opération des forces de sécurité était en cours pour rechercher d’éventuels complices, selon les autorités.
Le Premier ministre Habib Essid a fait état en soirée d’un bilan de 19 morts: 17 touristes et deux Tunisiens -un policier et un chauffeur de bus. Quarante-quatre personnes, dont six Tunisiens, ont été blessées, certaines grièvement.
Parlant à la télévision nationale d’une “situation définitive”, M. Essid a listé “17 morts parmi les touristes (…): quatre Italiens, un Français, deux Colombiens, cinq Japonais, un Polonais, un Australien, une Espagnole”. On ignorait encore la nationalité des deux derniers touristes tués.
La France n’a dans l’immédiat confirmé que six blessés. L’Espagne avait fait état de trois de ses ressortissants tués et Rome de deux Italiens morts.
– “Guerre sans pitié –
Après avoir dit à l’AFP que les autorités faisaient tout pour éviter qu’un tel “désastre” se reproduise, le chef de l’Etat Béji Caïd Essebsi s’est engagé dans une brève allocation télévisée à combattre “le terrorisme sans pitié”.
“Je veux que le peuple tunisien comprenne que nous sommes en guerre contre le terrorisme (…). Je veux que le peuple tunisien se rassure (…) ces traîtres seront anéantis”, a-t-il lancé.
En début d’après-midi, des assaillants armés de Kalachnikov ont ouvert le feu sur les touristes qui descendaient de leurs bus puis ils les ont pourchassés à l’intérieur du musée, a relaté le Premier ministre.
“Nous avons réalisé qu’il ne s’agissait pas de pétards mais de terroristes qui tiraient sur toutes les personnes qui marchaient sur la place. Après ils sont entrés dans le musée. Ils étaient presque à dix mètres, ils tiraient sur tout ce qui bougeait”, a dit Josep Lluis Cusidó, un touriste espagnol, à la chaîne Cadena Ser. “Je suis resté allongé par terre presque trois heures”.
Selon un journaliste de l’AFP sur place, l’un des autocars à bord desquels les touristes sont arrivés était criblé de balles.
Certains touristes voyageaient avec le croisiériste Costa, dont un bateau faisait escale dans le port de La Goulette (banlieue de Tunis).
– ‘Panique énorme’ au Parlement –
Au Parlement, mitoyen du musée, la “panique” a été “énorme” lorsque les coups de feu ont retenti, a relaté la députée Sayida Ounissi sur Twitter. La fusillade est intervenue “en pleine audition des forces armées sur la loi antiterroriste”, en présence du “ministre de la Justice, de juges et de cadres de l’armée”.
Pour Mohsen Marzouk, conseiller politique du président tunisien, l’attaque “vise notre économie” en allusion à l’importance du secteur du tourisme. “Mais il ne faut pas que nous laissions ce coup nous affecter. Et je suis sûr que le monde gardera sa confiance en nous”.
Des centaines de Tunisiens ont manifesté ensuite dans le centre-ville en scandant “Tunisie libre, le terrorisme dehors”.
La communauté internationale a vivement condamné le carnage, à l’instar de l’Américain John Kerry et du Français Laurent Fabius.
– Mouvance jihadiste –
Depuis la révolution de janvier 2011 qui a chassé du pouvoir le président Zine El Abidine Ben Ali, la Tunisie a vu émerger une mouvance jihadiste responsable de la mort de dizaines de policiers et militaires, selon les autorités.
Liée au réseau Al-Qaïda, la Phalange Okba Ibn Nafaâ est considérée comme le principal groupe jihadiste de Tunisie actif à la frontière avec l’Algérie.
De 2.000 à 3.000 Tunisiens combattraient par ailleurs dans les rangs des jihadistes en Syrie, en Irak et en Libye. Cinq cents autres jihadistes tunisiens sont pour leur part rentrés au pays, selon la police, et sont considérés comme une des plus grandes menaces pour la sécurité.
Des Tunisiens combattant avec le groupe Etat islamique (EI) ont par ailleurs menacé leur patrie ces derniers mois. Selon l’EI, un Tunisien a participé à l’assaut contre un hôtel dans la capitale libyenne en janvier (9 morts), et un autre a mené un attentat suicide à Benghazi (est libyen).
En avril 2002, un attentat suicide contre une synagogue à Djerba (sud) avait coûté la vie à 14 Allemands et deux Français ainsi qu’à cinq Tunisiens. Al-Qaïda avait revendiqué l’attentat.
© 2015 AFP

2. L’EI revendique l’attentat de Tunis
http://www.bbc.co.uk/afrique/region/2015/03/150319_tnisia_terror

3 . Tunisie: les auteurs de l’attentat se sont entraînés en Libye
20.03.2015 à 09:00 – AFP
Les deux auteurs de l’attentat du musée du Bardo à Tunis, qui a coûté la vie à 21 personnes dont 20 touristes, se sont formés au maniement des armes en Libye, a affirmé le secrétaire d’Etat tunisien chargé des affaires sécuritaires.
Il s’agit de “deux éléments extrémistes salafistes takfiris. Ils ont quitté clandestinement le pays en décembre dernier pour la Libye et ont pu se former aux armes en Libye” avant de regagner la Tunisie, a déclaré Rafik Chelly jeudi soir à la chaîne privée AlHiwar Ettounsi.
“Nous n’avons pas les détails mais il y a des camps d’entraînement pour les Tunisiens (en Libye) à Sabratha, à Benghazi et à Derna, donc (ils ont pu se former) dans l’un de ces camps”, a-t-il ajouté.
Les deux assaillants avaient été identifiés par les autorités comme Yassine Abidi et Hatem Khachnaoui. M. Chelly a précisé que Yassine Abidi avait été arrêté avant son départ en Libye, sans autres précisions.
Les deux hommes étaient “des éléments suspects” faisant partie “de ce qu’on appelle les cellules dormantes, formées d’éléments présents dans les villes, connus, dont nous savons qu’ils sont takfiris, dont nous savons qu’ils peuvent mener des opérations mais il faut rassembler les indices pour pouvoir mener une arrestation”, a fait valoir le responsable.
© 2015 AFP

Tunisie: appels à l’union nationale après l’attaque du musée Bardo LIRE
19.03.2015 à 11:00 – Par Antoine LAMBROSCHINI – AFP
Des appels à l’union nationale étaient lancés jeudi en Tunisie, sous le choc de l’attaque du musée Bardo de Tunis qui a fait 19 morts dont 17 étrangers, au début de la saison touristique dans un contexte de menace jihadiste croissante.
Ces appels ont été relayés par la presse et la société civile mais aussi par l’opposition après cet attentat sans précédent depuis la révolution de janvier 2011.
“Institutions de l’Etat, société civile, médias et citoyens sont appelés à agir comme un seul homme pour placer les intérêts de la patrie au-dessus de toute considération politique, partisane, corporatiste ou idéologique”, écrit le quotidien La Presse.
Plusieurs centaines de personnes s’étaient rassemblées mercredi soir dans le centre de Tunis pour dénoncer cette attaque, criant notamment “La Tunisie est libre, les terroristes dehors”.
Le principal syndicat du pays, l’UGTT a lui appelé à “mobiliser les forces du peuple et tous les organes de l’État à déclarer la guerre tous azimuts au c”. Le chef du parti islamiste Ennahda, Rached Ghannouchi s’est dit convaincu que “le peuple tunisien se tiendra uni face à la barbarie”.
© 2015 AFP
Portraits des assasins Jabeur et Yassine 2 articles LIRE
1. Jabeur, un lycéen solitaire devenu tueur au musée du Bardo
20.03.2015 à 16:30 – Par Ameur NASRI – AFP
Jabeur Khachnaoui, l’un des deux tueurs du musée du Bardo de Tunis, était un jeune lycéen pieux, solitaire et sans histoire jusqu’à son départ surprise en Libye et peut-être en Irak, raconte l’un de ses proches interrogé par l’AFP.
Membre de la famille, ce proche n’a pas souhaité être identifié, d’autant que les deux frères Maher et Mourad, la sœur Loubna, et le père de Jabeur, Ezzedine, ont été arrêtés dans la nuit de mercredi à jeudi.
Né en 1994 à “Ibrahim Zahar”, un village de la région de Kasserine, près de la frontière algérienne, Jabeur Khachnaoui a mené une enfance solitaire dans une famille pieuse et modeste sans être pauvre, dit-il.
Son père exploite un petit terrain agricole, qui assurait une vie relativement confortable à la famille.
Leur maison, bien tenue, avec plusieurs chambres, dispose de l’eau courante et de l’électricité, a constaté une journaliste de l’AFP.
Le proche assure que toute la population de ce village est très croyante et que certains “durs” y résident, sans pour autant être salafistes.
Jabeur a effectué sans histoire sa rentrée au lycée en septembre 2014 et devait passer son baccalauréat à l’issue de l’année scolaire. Le premier trimestre s’est déroulé normalement.
D’ailleurs ses trois oncles travaillent dans cet établissement: l’un enseigne la philosophie, un autre est professeur de sport et le dernier y est surveillant général.
De son côté, Jabeur jouait le rôle d’imam pour ses camarades lors des prières, mais ses prêches n’ont jamais été signalés pour “extrémisme”. Aucun élève n’aurait semble-t-il rapporté une dérive du jeune homme.
Selon le membre de sa famille, il a soudainement disparu au mois de décembre et ses parents ont appris peu après qu’il aurait rejoint la Libye, un déplacement confirmé par le ministère tunisien de l’Intérieur.
Par ailleurs, Jabeur a contacté ses proches depuis un téléphone irakien, et son père a alors averti la police que son fils se trouvait peut-être dans ce pays.
Des milliers de jeunes Tunisiens combattent, selon les autorités, dans les rangs des jihadistes en Syrie, en Irak et en Libye.
Enfin, Jabeur était particulièrement proche de sa sœur Loubna, à qui il confiait ses secrets. Il lui a ainsi payé une opération à l’œil ayant coûté 5.000 dinars (2.300 euros), une fortune pour la plupart des Tunisiens, qui plus est dans cette région déshéritée, selon le proche interrogé par l’AFP.
© 2015 AFP

2. Tunisie: Yassine, un “bon vivant” devenu un assassin au Bardo
22.03.2015 à 19:30 – Par Kaouther LARBI – AFP
Sous le choc, le frère de Yassine Laabidi, l’un des deux assaillants du musée de Bardo à Tunis, n’arrive pas à s’expliquer comment ce garçon de 27 ans “chaleureux, beau gosse et aimable” a pu tuer des innocents.
“Je ne réalise pas encore que mon frère est mort, qu’il est impliqué dans cette histoire, toute la famille est dans l’incompréhension. Yassine était un jeune aimable, chaleureux, beau gosse, intellectuel, qui n’avait rien en commun avec” les jihadistes, dit son frère à l’AFP.
“C’est un choc, un choc, un choc énorme! Je ne comprends rien du tout”, dit ce grand gaillard aux traits tirés, qui ne veut pas voir son prénom publié.
Yassine Laabidi –Abidi, selon les autorités– a été identifié par la police comme l’un des deux tueurs, avec Jabeur Khachnaoui, qui ont abattu mercredi 20 touristes étrangers et un policier tunisien au musée du Bardo.
Rien, selon ses proches, ne laissait présager une dérive extrémiste de ce jeune homme, bien sous tous rapports, issue d’une famille de la classe moyenne.
D’ailleurs, il vivait avec ses parents, sa sœur et son frère à Omrane supérieur dans le Grand Tunis, sans que personne ne se doute de rien.
Ce jeune garçon aux traits fins avait étudier le français à l’université jusqu’en deuxième année avant d’abandonner et de devenir coursier dans une société de livraison à Tunis.
– ‘Il buvait, fumait et avait une copine’ –
“Mon frère était un bon vivant, il aimait bien s’habiller et être bien entouré par les amis et la famille, il n’avait aucun complexe, il rigolait avec tout le monde, même avec ses amis en train de picoler”, ajoute-t-il.
Si Yassine a commencé à s’intéresser de plus près à la religion et à prier il y a trois ans –peu après la révolution de janvier 2011 et la levée de la chape de plomb pesant sur les discours religieux– il n’a pas pour autant laissé transparaître un intérêt particulier pour les courants extrémistes.
Il ne s’isolait pas et aimait passer ses soirées en famille à regarder des films ou des documentaires.
Yassine n’a quitté le domicile familial qu’une fois, durant 27 jours en décembre 2014. Il avait affirmé s’être rendu à Sfax, dans le sud de la Tunisie.
Mais désormais ses parents s’interrogent sur sa destination réelle: les autorités ont affirmé qu’il avait séjourné en Libye pour se former au maniement des armes.
Et son cousin Walid explique à l’AFP que Yassine lui avait donné une autre version: il était parti avec la famille de sa petite amie, une Américaine d’origine irakienne, à Djerba, haut-lieu de tourisme balnéaire.
“Avant de commencer à faire la prière, Yassine vivait bien sa jeunesse, il buvait, il fumait et il avait une copine”, souligne Walid.
– Lavage de cerveau par des ‘pourritures’ –
Le frère de Yassine abonde dans ce sens.
“Il est victime à 100%, victime d’un lavage de cerveau, des idées venimeuses, ces pourritures qui envoient au nom de la religion des jeunes vers la mort, des jeunes cultivés qui pourraient devenir des cadres sécuritaires, des médecins, des avocats”, martèle-t-il.
Le jour de l’attaque, le grand frère de Yassine suivait les évènements à la télévision, sans se douter de rien.
“En regardant ce qui se passait au musée, je n’arrêtais pas d’insulter les tueurs et de les traiter de tous les noms, sans jamais penser que mon frère était impliqué”, confie-t-il.
Mais en fin d’après-midi, les policiers viennent taper à la porte pour interroger les proches de Yassine.
“Toute la famille est victime (…) Nous avons payé la facture très très cher, puisque nous avons perdu la plus belle chose de notre famille”, déplore le frère.
“Je dis à tous les Tunisiens que chaque famille risque de voir son fils manipulé (…) Personne n’est épargné”, lâche-t-il.
“Nous voulons enterrer Yassine l’être humain, celui qui prie et se fait des amis. C’est ce Yassine là, on ne veut pas enterrer Yassine le produit de cette pourriture, de cette peste”.
© 2015 AFP

La Tunisie, “pays qui fait peur aux djihadistes” selon la presse LIRE
20.03.2015 à 09:00 – AFP
Après l’attentat mercredi du musée Bardo à Tunis qui a coûté la vie à vingt touristes dont deux Français, et un Tunisien, la presse rappelle vendredi que la Tunisie, jeune démocratie, est “le pays qui fait peur aux djihadistes”.
“La Tunisie a tout pour déplaire aux djihadistes” rappelle le Monde dans son éditorial dont le titre est “le pays qui fait peur aux djihadistes”.
“La Tunisie les menace par ce qu’elle représente. Elle est le contre-modèle à abattre: elle prouve que la démocratie est parfaitement compatible avec un pays de culture islamique. Inadmissible pour la nébuleuse islamique”, analyse le quotidien du soir.
“Le pays, d’où est originaire l’un des plus gros contingents de jihadistes étrangers en Irak et en Syrie, est rattrapé par le terrorisme” note Libération. Elodie Auffray rapporte que “sonnés”, les Tunisiens “s’affichent aussi combatifs”.
De son côté, Le Figaro affirme que “l’Etat islamique a voulu punir des +croisés mécréants+”. Son envoyé spécial, Thierry Porte, souligne que “la classe politique et la société civile tunisiennes faisaient bloc en défilant, jeudi en fin d’après-midi devant le Bardo, pour exprimer leur rejet de l’islamisme radical”.
Dans L’Est Républicain, Alain Dusart évoque la dernière campagne publicitaire tunisienne destinée à relancer le tourisme : “la Tunisie, libre de tout vivre”. “L’audace de cette affirmation terrorise les terroristes…”, estime l’éditorialiste.
“Qu’importent ces noms, l’âge, l’origine, et même les lieux où leur destin a basculé, qu’importe s’ils caricaturaient, visitaient un musée (…), qu’importe si ceux-là priaient et quel Dieu, ou s’ils ne priaient pas : tous ont pour toujours un même visage : ils forment une poignante fraternité, celle des victimes”, égrène Jean-Claude Souléry dans La Dépêche du Midi.
“Ce sont les mêmes victimes d’un même terrorisme, disons l’islamo-fascisme – puisqu’au moins cette expression a le mérite de nous dire l’évidence”, ajoute-t-il.
“Je suis Tunisien”, clame David Guévart, du Courrier Picard pour qui “l’angélisme a assez duré avec ces fous tueurs”
© 2015 AFP
ANALYSES LIRE
1. La Tunisie, cible de choix pour des jihadistes
19.03.2015 à 01:00 – Par Michel MOUTOT – AFP
Avec des maquis jihadistes qu’elle ne parvient pas à réduire, une frontière incontrôlable avec la Libye en proie au chaos et des milliers de jeunes partis, et pour certains revenus, combattre en Syrie, la Tunisie est une cible de choix pour les islamistes armés.
Même si l’attaque de mercredi contre le musée du Bardo, en plein centre de Tunis, qui a fait au moins 19 morts dont 17 touristes, n’a pas encore été revendiquée, elle porte en tous points la marque des islamistes armés qui ont, ces derniers mois, multiplié les menaces contre ce pays et l’une de ses premières sources de devises, le tourisme.
Des militants se réclamant d’Al-Qaïda au Maghreb islamique (Aqmi) ou du groupe Etat islamique (EI) sont depuis la révolution de 2011, qui a donné le coup d’envoi du “Printemps arabe”, retranchés dans des maquis situés dans les massifs montagneux proches de la frontière algérienne. Malgré plusieurs offensives d’envergure, l’armée tunisienne n’est jamais parvenue à les en déloger.
La détérioration de la situation dans la Libye voisine, où l’Etat central a disparu au profit de milices qui se disputent le pouvoir, certaines ouvertement ralliées à l’EI, pèse également sur la Tunisie, d’autant que la longue frontière entre les deux pays est virtuellement impossible à contrôler. Dans des régions où la contrebande est souvent la seule source de revenus, une fermeture de la frontière est inenvisageable, notamment parce qu’elle pourrait provoquer des soulèvements locaux.
“Le terreau qui favorise le terrorisme, c’est l’instabilité, l’absence d’Etat en Libye (…) Tant que la situation est ce qu’elle est, nous sommes tous menacés”, a affirmé mercredi le chef de la diplomatie tunisienne, Taïeb Baccouche.
“La proximité géographique augmente évidemment les risques”, soulignait début mars Jamil Sayah, président de l’Observatoire tunisien de la sécurité globale, estimant nécessaire que les pays de la région définissent “une stratégie commune pour étouffer l’EI dans les frontières libyennes”.
– Formation en Syrie –
Avec deux à trois mille jeunes hommes partis, au cours des quatre dernières années, grossir les rangs des groupes jihadistes luttant contre le régime de Bachar al-Assad en Syrie et contre le gouvernement de Bagdad en Irak, la Tunisie a fourni le plus fort contingent de combattants étrangers. Ils sont au moins cinq cents à être revenus au pays, estiment les autorités tunisiennes qui tentent de les maintenir sous étroite surveillance et affirment avoir empêché le départ d’au moins 9.000 autres volontaires.
“Ces groupes salafistes jihadistes ont fait le choix stratégique d’envoyer des jeunes en Syrie pour les préparer et former ainsi des cadres qui seront prêts pour un éventuel combat en Tunisie”, indique à l’AFP l’analyste tunisien Slaheddine Jourchi.
Les groupes armés islamistes tunisiens montent constamment des opérations de harcèlement contre les forces de l’ordre.
En février, ils étaient une vingtaine à tendre une embuscade à une patrouille de gendarmerie près de la frontière algérienne, tuant quatre gendarmes et s’emparant de leurs armes.
Et en octobre, cinq femmes et deux hommes, membres de ce qui a été présenté comme une cellule jihadiste, se sont retranchés dans une maison des abords de Tunis pour éviter leur arrestation. Dans l’assaut, les cinq femmes et un homme ont été tués. Selon le gouvernement tunisien, l’autre homme, qui a été blessé et arrêté, était membre d’Ansar Asharia, une organisation considérée comme terroriste par la Tunisie et les Etats-Unis.
En décembre, un Franco-Tunisien, Boubaker El Hakim, déjà condamné en France, a revendiqué, dans un film tourné en Syrie où il a rejoint l’EI et mis en ligne, l’assassinat de deux opposants anti-islamistes tunisiens connus, Chokri Belaïd et Mohamed Brahmi. “Nous allons revenir et tuer plusieurs d’entre vous”, a-t-il menacé. “Vous ne vivrez pas en paix tant que la Tunisie n’appliquera pas la loi islamique !”
Pour Taïeb Baccouche, la Tunisie a “peut-être” péché par excès de confiance après l’organisation réussie de ses élections. “Nous avons un peu baissé la garde. Ils (ndlr, les auteurs de l’attaque de Tunis) viennent de nous rappeler qu’il faut toujours rester vigilants car le terrorisme peut frapper à n’importe quel moment n’importe où”, a estimé le chef de la diplomatie tunisienne.
© 2015 AFP

2. La Tunisie entre terreur et laïcité
http://www.bbc.co.uk/afrique/region/2015/03/150319_tunisia_terror

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