Völkermord Ruanda: Schwaches Urteil in Frankfurt aufgehoben – Génocide rwandais: tribunal allemand encaisse jugement trop faible

Bundesgerichtshof zu Ruanda-Völkermord: Wer Mörder aufstachelt, ist Mittäter
http://www.taz.de/Politik/Afrika/!p4621/ 21.05.2015
Der Bundesgerichtshof kippt das erste Ruanda-Völkermordurteil eines deutschen Gerichts. Er kritisiert es als ungenügend und fehlerhaft.
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Un Rwandais, condamné en Allemagne pour le génocide de 1994, sera rejugé
21.05.2015 à 18:30 – AFP
La Cour fédérale allemande a ordonné jeudi qu’un ancien maire rwandais, condamné l’an dernier à 14 ans de prison pour “complicité” dans le génocide des Tutsis en 1994, soit rejugé en raison de son rôle actif dans le massacre. “Il y a (maintenant) la possibilité d’une condamnation pour participation (au génocide) avec pour conséquence une peine de réclusion à perpétuité”, a souligné le président de la Cour de Karlsruhe (sud-ouest), Jörg-Peter Becker.

Onesphore Rwabukombe le 18 février 2014 au tribunal à FrancfortOnesphore Rwabukombe le 18 février 2014 au tribunal à Francfort
afp.com – Frank Rumpenhorst

Onesphore Rwabukombe, ancien maire de Muvumba, dans le nord-est du Rwanda, est devenu en février 2014 le premier responsable rwandais condamné en Allemagne sur la base d’une loi sur les “crimes contre l’humanité” adoptée en 2002.
Jugé à Francfort (ouest), cet homme avait été reconnu coupable de “complicité” dans le massacre de plus de 400 Tutsis réfugiés dans une église, le 11 mai 1994, échappant à la peine de perpétuité prévue en cas de condamnation pour génocide.
Mais la Cour fédérale de Justice a insisté sur le rôle de l’ancien édile dans l’organisation du massacre, dès la veille des faits. Il avait emmené en voiture des Hutus armés sur le site de l’église, leur avait ordonné: “Commencez votre travail!” puis avait assisté au massacre. Il avait ensuite participé au transport des corps dans une fosse commune.
Les magistrats chargés de rejuger M. Rwabukombe ne devront pas reprendre la totalité du dossier, a précisé la Cour de Karlsruhe. Nul besoin de prouver à nouveau le massacre et le rôle de l’accusé, mais il faudra établir son intention d’éliminer les victimes “en tant que groupe ethnique”, point essentiel pour définir le génocide.
Le procès de M. Rwabukombe, qui résidait avec sa famille dans la région de Francfort depuis 2002, avait nécessité l’audition de près de 120 témoins, la lecture d’une centaine de documents et le visionnage de nombreux films, et avait au final duré trois ans.
Incarcéré en Allemagne depuis 2011, M. Rwabukombe avait fait l’objet d’un mandat d’arrêt de Kigali, relayé en 2007 par Interpol.
En Allemagne, où le traitement par la justice des crimes contre l’humanité prend un relief particulier en raison du passé nazi, les verdicts sur ce fondement sont très rares: la condamnation de M. Rwabukombe est seulement la deuxième d’un étranger, après celle du Serbe Nicola Jorgic en 1997 pour “génocide” commis en 1992 en Bosnie-Herzégovine.
Un procès-fleuve est par ailleurs en cours depuis mai 2001 à Stuttgart (sud-ouest) contre deux chefs de la rébellion hutu rwandaise FDLR pour des massacres commis en 2008 et 2009 dans la région du Kivu, dans l’est de la République Démocratique du Congo.
“De tels procès sont la contribution de l’Allemagne à la paix internationale”, estime Kai Ambos, professeur de droit pénal à Göttingen cité par l’agence allemande DPA. Les génocidaires “ne doivent bénéficier d’aucun refuge ici, et doivent savoir qu’ils risquent des poursuites pénales”.
Selon l’universitaire, les procédures visant des crimes commis à l’étranger sont de plus en plus nombreuses en Allemagne, en raison notamment du conflit syrien.
© 2015 AFP

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=> DE+FR Rubrik RWANDA in Afrikanews Archiv No1 2010-2014, ~ 120 posts

Bundesgerichtshof zu Ruanda-Völkermord: Wer Mörder aufstachelt, ist Mittäter
http://www.taz.de/Politik/Afrika/!p4621/ 21.05.2015
Der Bundesgerichtshof kippt das erste Ruanda-Völkermordurteil eines deutschen Gerichts. Er kritisiert es als ungenügend und fehlerhaft.
BERLIN taz | Der erste Prozess in Deutschland wegen des Völkermords in Ruanda muss neu aufgerollt werden und dürfte dann mit einer höheren Strafe enden. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe kippte am Donnerstag die Verurteilung des Ruanders Onesphore Rwabukombe wegen Beihilfe zum Völkermord durch das Oberlandesgericht Frankfurt im Februar 2014 und verwies das Verfahren an das Gericht zurück.
Moniert wurde vom Bundesgerichtshof (BGH), dass Rwabukombe nicht wegen Mittäterschaft beim Völkermord verurteilt worden war, sondern lediglich wegen Beihilfe. Damit wurde im Februar 2014 nicht lebenslange Haft gegen ihn verhängt, sondern nur 14 Jahre. Dieses Urteil wurde nun teilweise aufgehoben, weil „die Auffassung des Oberlandesgerichts, der Angeklagte sei lediglich Gehilfe und nicht Täter des Völkermordes gewesen, rechtlicher Prüfung nicht standhält“, so die Bundesrichter.
Rwabukombe war in Ruanda bis 1994 Bürgermeister der Gemeinde Muvumba gewesen und lebte im April 1994, als der Völkermord an den Tutsi begann, ebenso wie meisten Bürger seiner Gemeinde als Flüchtling im Dorf Murambi, an Wochenenden auch in der ruandischen Hauptstadt Kigali, wo er mit bekannten Befürwortern der Auslöschung der Tutsi verkehrte, darunter Führer der Hutu-Miliz Interahamwe, die eine führende Rolle bei den Massakern spielen sollte.
In Murambi arbeitete Rwabukombe als Bürgermeister seiner Flüchtlinge weiter, in Kooperation mit Murambis Bürgermeister Jean-Baptiste Gatete – mittlerweile vom UN-Ruanda-Völkermordtribunal zu lebenslanger Haft verurteilt. „Der Angeklagte behielt in seiner Funktion als Bürgermeister die Kontrolle über die Mitarbeiter seiner Gemeindeverwaltung, die Gemeindepolizisten und die Kämpfer der Interahamwe-Miliz“, so 2014 das OLG Frankfurt in seinem Urteil; „die Bevölkerung Murambis sowie die Interahamwe-Milizionäre betrachteten ihn als Respektsperson, seine Anweisungen wurden von den Bürgern und den Interahamwe befolgt.“

Der Fall Rwabukombe
Beim Völkermord in Ruanda wurden zwischen April und Juli 1994 über 800.000 Menschen, zumeist Tutsi, von Armee und Hutu-Milizen getötet, um eine Machtteilung zu verhindern. Die Tutsi-geführte Rebellenarmee RPF eroberte danach das Land.
Viele Völkermordbeteiligte flohen ins Ausland, darunter Exbürgermeister Onesphore Rwabukombe, der 2002 nach Deutschland kam. Eine Auslieferung nach Ruanda lehnte die deutsche Justiz ab, stattdessen klagte sie ihn an. 2010 wurde er festgenommen, sein Prozess in Frankfurt dauerte von 2011 bis 2014.

„Mindestens 400 Menschen qualvoll getötet“
Nach Beginn der landesweiten Massaker an Tutsi am 7. April 1994 flohen viele Tutsi in Kirchen, auch nach Kiziguro in Murambi. Am 10. April beschlossen die Bürgermeister, darunter Rwabukombe, den Sturm auf das Gelände. Der erfolgte am nächsten Tag. Am Vormittag kamen die Bürgermeister, „um den Angriff auf das Kirchengelände zu befehligen und zu koordinieren“, so das Urteil von 2014.
Wie der BGH zusammenfasst, wurden in Kiziguro „mindestens 400 Menschen überwiegend mit Macheten, Lanzen, Knüppeln, Äxten, Beilen oder Hacken zumeist auf qualvolle Art und Weise getötet. Der Angeklagte, der bereits am Vortag in die Organisation des Massakers eingebunden gewesen war, rief den Angreifern zu Beginn der Aktion Aufforderungen zu wie ’Arbeitet‘ oder ’Fangt mit eurer Arbeit an‘, erkundigte sich später nach dem Stand der Tötungen, brachte mit seinem Fahrzeug weitere bewaffnete Hutu zu dem Kirchengelände und forderte die Angreifer auf, weiter zu töten.“

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All dies habe das Frankfurter Gericht zutreffend festgestellt, so der BGH. Damit sei Rwabukombe als Mittäter zu verurteilen. Der Frankfurter Richter Sagebiel hatte zwar 2014 bereits zugestanden, Rwabukombes Tatbeitrag erreiche den „Grenzbereich zur Mittäterschaft“. Allerdings hielt er es nicht für erwiesen, dass das Massaker von Rwabukombes Befehl abhing, ebenso wenig, dass Rwabukombe „in der Absicht handelte, die Gruppe der Tutsi als solche ganz oder teilweise zu zerstören“ – das ist zur Feststellung des subjektiven Tatbestandes des Völkermordes nötig.
Diese Wertung nennt der BGH jetzt eine „rechtsfehlerhaften Beweiswürdigung“ und gibt damit den Revisionsanträgen der Bundesanwaltschaft und der zivilen Nebenklage statt. Der Revisionsantrag des Angeklagten wird verworfen. Die Beweisaufnahme an sich wird vom BGH als „rechtsfehlerfrei“ gelobt.
Ein anderer Senat des OLG Frankfurt muss sich nun mit dem Fall befassen. Dabei werden nicht die Taten neu beleuchtet, sondern lediglich die Schlüsse daraus. „Es steht eine Verurteilung wegen Täterschaft mit der Folge einer lebenslangen Haftstrafe im Raum“, sagte der Vorsitzende BGH-Richter Jörg-Peter Becker. Völkermordabsicht – aus der zwingend die Verurteilung als Mittäter folgt – bestehe auch dann, wenn Völkermord als Mittel zu einem anderen Zweck verübt werde. Bei Rwabukombe geht es darum, dass er durch seinen Einsatz seine Position als Bürgermeister retten wollte.

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